Erschöpfung ist eines der häufigsten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Symptome einer Depression. Viele Menschen, die an einer Depression erkranken, berichten nicht zuerst von Traurigkeit oder innerer Leere, sondern von einer bleiernden Müdigkeit, die sich durch nichts vertreiben lässt. Sie schlafen viel, und trotzdem ist der Tank leer. Selbst kleine Aufgaben wie ein Telefonat führen, den Haushalt erledigen oder auf eine Nachricht antworten kosten eine Energie, die schlicht nicht vorhanden ist.
Das Problem dabei ist, dass diese Art von Erschöpfung oft nicht als Krankheitssymptom wahrgenommen wird. Stattdessen suchen Betroffene die Ursache bei sich selbst: zu wenig Sport, falsche Ernährung, zu viel Bildschirmzeit. Der Körper wird untersucht, Blutwerte werden gecheckt, Schilddrüse und Eisenmangel ausgeschlossen. Und wenn nichts gefunden wird, bleibt ein unangenehmes Gefühl zurück: Vielleicht bin ich einfach zu schwach. Vielleicht bilde ich mir das ein.
Das stimmt nicht. Erschöpfung im Rahmen einer Depression ist real, körperlich messbar und behandelbar. Sie entsteht, weil das zentrale Nervensystem unter chronischem Stress steht, weil Neurotransmitter wie Serotonin und Dopamin aus dem Gleichgewicht geraten sind und weil der Körper buchstäblich im Dauerstressmodus festhängt, ohne dass ein Auslöser von außen sichtbar ist.